Die Kirche am Lauerhaas ist über 80 Jahre alt

Für eine Kirche ist sie jung, aber am 12. April 2011 feierte sie immerhin ihren 80. Geburtstag. 1931 - genau 80 Jahre zuvor – ist der erste Gottesdienst in der gerade fertiggestellten Kirche am Lauerhaas gefeiert worden.

Grund genug für eine kleine Würdigung dieser Kirche und Anlass für einen Rückblick auf über 80 Jahre gemeindliche Arbeit in den Ortsteilen Obrighoven und Lackhausen rund um die Kirche am Lauerhaas.

Der Altar mit Kreuz und der Kanzel von der Empore aus gesehenDer Altar mit Kreuz und der Kanzel von der Empore aus gesehenSie bekam damals einen für eine Kirche ungewöhnlichen Namen mit Lokalkolorit: „Kirche am Lauerhaas“. Der Name weist auf einen alten Wachtposten, „ein Lurhuus“ hin, das zum Schutz des Isselgrabens an der Brüner Landstraße unweit des jetzigen Standorts der Kirche lag.

Der lokale Bezug spielte und spielt nach wie vor im gemeindlichen Leben eine wichtige Rolle. Lauerhaasen tollen gern in und um ihre eigene Kirche; ob bei Gottesdiensten, Konzerten, Gemeindefesten und allerlei Gruppenaktivitäten für jung und alt. Gleichzeitig ist und bleibt die Kirche im Bewusstsein ihrer Gemeindeglieder ein Teil der Weseler Kirchengemeinde.

Beispiel für kirchliche Baukunst

Das TaufbeckenDas TaufbeckenSie wurde in einer - wirtschaftlich und politisch – schwierigen Zeit unter großem Einsatz ihrer Gemeindeglieder erbaut. Noch heute gilt sie bei Kirchenbauexperten in ihrer Schlichtheit als "seltenes, sehr gutes Beispiel für die kirchliche Baukunst der Zeit um 1930".

Der erste Pfarrer, Emil Tappenbeck aus Jever (1900-1975) hatte seinen Dienst bereits 1927 angetreten und maßgeblich den Aufbau der Kirche unterstützt und schließlich die ersten Jahre des Gemeindelebens bis 1939 geprägt. In den Kriegsjahren ergab sich eine Zeitlang eine Vakanz im Gemeindebezirk, da ein bereits gewählter Pfarrer aufgrund des Krieges seinen Dienst nicht ausüben konnte.

Die KanzelDie KanzelBemerkenswert ist die Tatsache, dass die Kirche am Lauerhaas als einzige Weseler Kirche den Krieg fast unbeschädigt überstanden hat.

In der Not der Nachkriegszeit wurde sie nicht nur als Gottesdienstraum und Versammlungsstätte der Gemeinde genutzt sondern auch als Wohnraum für Vertriebene, für Kindergarten- und Schulkinder.

Die OrgelDie OrgelPfarrer Heinrich Schmitz aus Duisburg (1890-1968) , ein mutiger dem Nationalsozialismus trotzender bekennender Christ, verwaltete die Pfarrstelle 1943-44, bevor er im Juni 44 in ein KZ inhaftiert wurde. Erst 1949 wurde er offiziell gewählt und leitete die Geschicke des Gemeindebezirks bis 1960, als er bereits 70 Jahre alt war. Mit Pfarrer Friedhelm Gensichen aus Swinemünde kam 1961 ein damals 31-jähriger Pfarrer in die Gemeinde, der u.a. als Jugendpfarrer besondere Akzente setzte.

Von 1971 bis 1993 war Hans-Walter Boelitz (Enkel des Miterbauers der Kirche und Ehrenbürgers von Wesel Johannes Boelitz) als Pfarrer an der Kirche am Lauerhaas tätig.

Im Jahre 1993 wurden Pfarrerin Eva Holthuis und Pfarrer Albrecht Holthuis in den Dienst an der Kirche am Lauerhaas eingeführt.

Umgestaltung des Kirchraums

Die Kirche erfuhr 1975 eine behutsame Umgestaltung ihres Kirchraums, so dass heute durch die Bestuhlung und Gestaltung des Chorraums eine flexible Nutzung für unterschiedliche Gottesdienstformen möglich ist. Vor 13 Jahren begann das Pfarrehepaar Eva und Albrecht Holthuis gemeinsam den Dienst im Gemeindebezirk. Gleichzeitig wurde die Kinder- und Jugendarbeit durch die Errichtung einer Stelle gemeinsam mit der Friedenskirche, die Diakon und Jugendleiter Klaus Bauer seitdem innehat, gestärkt.

Innenansicht der renovierten Kirche im Februar 2006Innenansicht der renovierten Kirche im Februar 2006In den letzten Jahrzehnten gab es im Gemeindebezirk einen stetigen Zuwachs an Gemeindegliedern durch Zuzug von Neubürgern oder solchen, die aus der Innenstadt in die Außenbezirke zogen. Inzwischen gehören 3100 Gemeindegliedern zum Lauerhaas. In diesem Zusammenhang war auch die Errichtung einer sogenannten Sonderdienststelle für den Gemeindeaufbau im Ortsteil Lackhausen wichtig, die 1995 genehmigt und von den Pastoren Hans Herzog und Dirk Meyer bis 2005 besetzt wurde. Sie sorgten u.a. dafür, dass das Kirchenzelt in Lackhausen mit Leben gefüllt wurde.
Aus jüngster Vergangenheit ist schließlich der Anbau des Gemeindezentrums am Lauerhaas 1996 zu erwähnen. Damit wurden für alle Bereiche der Gemeindearbeit die Bedingungen für das Gemeindeleben wesentlich verbessert.

Viele Personen – vor allem zahlreiche Presbyterinnen und Presbyter, Küster, Organisten und Chorleiter und viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier nicht namentlich erwähnt werden können, haben die Kirche mit Leben erfüllt in den letzten Jahrzehnten.

Heute präsentiert sich die Kirche am Lauerhaas mit ihrem Gemeindezentrum dem Kindergarten und dem Pfarrhaus als gemeindliches, soziales und geistlich vitales Zentrum ihrer Kirchengemeinde im 4. Pfarrbezirk. Ein besonderer Akzent wird dabei auf die Ausrichtung einer familienfreundlichen Gemeindearbeit gesetzt, was durch besondere Gottesdienste, Veranstaltungen, Familiengruppen, Freizeiten etc. deutlich wird.

Albrecht Holthuis