Die Gnadenkirche

Ein Kleinod von schlichter Schönheit ist die Gnadenkirche auf dem Fusternberg, die Gottesdienststätte des 3. Pfarrbezirks.

Einst nur ein Notbehelf: Die GnadenkircheEinst nur ein Notbehelf: Die GnadenkircheNur 7 Monate Bauzeit

Am 27.11.1949, dem 1. Advent, wurde sie nach nur 7 Monaten Bauzeit eingeweiht und hat bis heute innen und außen ihr ursprüngliches Gesicht gewahrt. Mit der Gnadenkirche steht in Wesel eine der letzten von ursprünglich etwa 40 sogenannten Bartning‘ schen Notkirchen, die nach dem Krieg in Deutschland errichtet wurden. Sie bietet 500 Gottesdienstbesuchern Platz.

Passend zur Architektur der Kirche: Der Altar und das KreuzPassend zur Architektur der Kirche: Der Altar und das KreuzDas Charakteristische dieser Kirche ist das Holzdach. Es wird von in einem Betonfundament eingesetzten Holzbindern getragen, zwischen denen dann das Mauerwerk hochgezogen wurde. Zwischen dem Mauerwerk und dem Dach läuft ringsum ein schlichtes Fensterband. Der Kirchenbesucher hat unter dem warmen Holzdach, das über dem Altarraum zusammenstrebt und an ein umgestülptes Schiff denken läßt, den Eindruck einer großen Geborgenheit. Das gesamte Holzwerk der Kirche (Binder, Holzdach, Bänke) wurde der Gemeinde Wesel über den Weltkirchenrat in Genf geschenkt. Spender waren presbyterianische Gemeinden im amerikanischen Mittelwesten, die für den kirchlichen Wiederaufbau in Deutschland sammelten.

Hand in Hand mit den Gemeindegliedern

Bei den Arbeiten an der Kirche leisteten zahlreiche Gemeindeglieder jeden Alters Hand- und Spanndienste. Mit Bauernfahrzeugen wurden die holländischen Klinker des zerstörten Gemeindehauses am Willibrordiplatz herantransportiert und von Frauengruppen, Jugend- und Konfirmandengruppen säuberlich abgepickt. 80.000 – 90.000 Steine gingen durch ihre Hände bis Kirche und Turm verklinkert waren.

Die Gnadenkirche von Innen - Weitläufig und lichtdurchflutetDie Gnadenkirche von Innen - Weitläufig und lichtdurchflutetIm Innern der Kirche fallen neben dem warmen Licht die schlichten Formsteine auf, die zwischen den Holzbindern aufgemauert sind. Sie sind gefertigt aus gemahlenem Trümmerschutt und erinnern zusammen mit dem Kreuz, gezimmert aus Holz aus den Ruinen Willibrords, an die Zerstörung Wesels im Februar 1945.

 

Als Gottesdienststätte ist die Gnadenkirche die Nachfolgerin der im Februar 1945 völlig zerstörten Mathenakirche, die in der Nähe des Lutherhauses stand. Der Grundstein an der Nordostecke des Turms im Eingangsbereich erinnert daran.

Die Glocke der Gnadenkirche gehörte ebenfalls zum alten Geläut der Mathenakirche und überstand die Zerstörung Wesels nur dadurch, daß sie – zum Einschmelzen vorgesehen – in einem Ort im Harz eingelagert war. Sie wiegt ca. 1100 kg und wurde im Jahre 1606 von Tillman van Venlo in Wesel gegossen. Ihre Inschrift lautet:

Mortuos plango – vivos convoco – Tillman van Venlo me fecit a.d. 1606. Das heißt:

Die Toten beklage ich, die Lebenden rufe ich (zum Gebet) zusammen. Tillman van Venlo hat mich gemacht im Jahr des Herrn 1606.