Osterferien 2017 - Theaterworkshop von Larissa Lacks

Hier ein Bericht zum Theaterprojekt.

„Wir sind im Museum!“, ruft Katrin triumphierend. Um sie herum ist es ungewöhnlich leise, die übrigen Teilnehmer schauen interessiert auf leere Wände, Stühle – oder eine halbvolle Flasche Apfelschorle. Hier und da ist ein: „Oh, wirklich, ein tolles Kunstwerk“ zu hören. Jetzt fangen sie an zu klatschen: „Richtig!“ Mit der Ruhe ist es jetzt vorbei, die eigene Vorstellung wird schnell besprochen. Dann versammeln sich alle zehn Schauspieler in einem kleinen Kreis in der Mitte des Gruppenraums der Katakomben. Es ist Zeit für einen kurzen Ausblick auf die Zeit nach dem Mittagessen: „Machen wir denn heute Impro?“, erkundigt sich Sebastian – und freut sich über die Antwort, denn Improvisationsspiele stehen tatsächlich auf dem Programm. Das finden auch die anderen gut, viele kennen „Impro-Theater“ schon von Aufführungen ‚richtiger‘ Schauspieler und haben sich solche Übungen gewünscht.

Im Gemeindezentrum dampft allerdings schon das Mittagessen, weitere Fragen müssen bis zur nächsten Sitzrunde warten. Heute wird gegrillt, schließlich ist das Wetter schön. Collin ist sofort Feuer und Flamme und übernimmt das Kommando am Rost, eine Viertelstunde später sitzen alle zusammen am Tisch und machen sich über Nackensteaks und Hähnchen her – Würstchen wollte kaum jemand essen. Es ist der vierte Tag des Projekts, das am Dienstag nach Ostern angefangen hat. Täglich von zehn bis vier kommen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zum Gemeindezentrum am Lauerhaas, um zusammen Theater zu machen. Die meisten Spiele und Übungen erinnern dabei aber nur wenig an eine klassische Theater-AG in der Schule, in der es vor allem darum geht, ein Stück auf die Bühne zu bringen. In der Theaterpädagogik ist es viel wichtiger, etwas über sich selbst und andere zu lernen – und Spaß zu haben. Das Konzept scheint aufzugehen, die Stimmung am Esstisch ist gut: „Larissa, was genau machen wir denn gleich?“, fragt Deniz. Larissa Lacks leitet das Projekt, früher hat sie sich in verschiedenen Gruppen in der Evangelischen Jugend engagiert, durch ihr Studium sind die Besuche natürlich seltener geworden: „Ach, das gucken wir gleich spontan“, vertröstet sie Deniz, der sich nicht wirklich zufrieden wieder seinem Nudelsalat widmet.

Ganz ohne Aufführung und Lampenfieber kommt aber auch ein solches Theaterprojekt nicht aus. Zwar gibt es keine Aufführung im eigentlichen Sinne, aber zeigen, was man in den sechs Tagen, die man geübt hat, gemacht hat, will doch jeder der Teilnehmer. Die sogenannte Werkschau ist schließlich der krönende Abschluss der zweiten Ferienwoche. In kleinen Szenen zeigen die Jugendlichen (und Erwachsenen) ihr Können auf der erdachten Bühne im Gruppenraum, der gerappelt voll ist. Alle aufgestellten Stühle und auch die Tische an der Wand sind besetzt. Ein letztes, sehr lautes „Toi! Toi! Toi!“, dann geht es los. Nach jeder Szene gibt es Applaus: Für Gespräche über den letzten Urlaub, die zum handfesten Streit zwischen Andrea und Caroline führen (natürlich nur auf der Bühne), die Darstellung trauriger, glücklicher, ängstlicher und sehr wütender Menschen oder eine Spiegelszene, in der Jonas im Rhythmus seines Lieblingslieds genau das Gleiche tut wie Mathias. Florian zeigt als Kunstexperte „Herr Eckert“, was eine Plastikblume alles bedeuten kann: Von Anfang bis Ende lässt sich alles hineinlesen. Nach einer knappen halben Stunde Einsicht in die Arbeit der letzten Woche  verbeugen sich alle Beteiligten mit einem Lächeln im Gesicht. Ob die Teilnehmer etwas vom Projekt mitnehmen, fragt Larissa in der Abschlussrunde: „Ich habe meine Lust am Theater wiederentdeckt!“, erzählt Caroline – die anderen stimmen ihr zu. Auch darüber, dass es Spaß gemacht hat, sind sich alle einig: „Wann ist das nächste Projekt?“, will Deniz wissen, während er sich die Jacke anzieht: „Weiß ich nicht, aber wenn es eins gibt, sag ich Bescheid“, antwortet Larissa. Diesmal ist er mit der Antwort zufrieden.

Sebastian Brinks mit Larissa Lacks

Und das war die tolle Truppe!