Tiefgründig Abgründiges in der Gnadenkirche

Zum ersten Mal fand in der Gnadenkirche ein Literaturgottesdienst statt. Die Gäste waren gespannt, was sie unter dem Motto "Tiefgründig Abgründiges am Abend" erwartete.

Am Sonntag, 9. September 2012 fanden sich um 19 Uhr zahlreiche Interessierte ein. Schon in der Begrüßung machten Pfarrer Thomas Brödenfeld und Pfarrerin Heidrun Goldbach deutlich, dass menschliche Abgründe nicht nur in zeitgenössischen Kriminalromanen, sondern auch in den alten Erzählungen der Bibel dargestellt werden. Die dunkle Seite ist offensichtlich Teil der menschlichen Natur.

Der Altarraum wird zum Wohnzimmer: Cornelia Haß liestDer Altarraum wird zum Wohnzimmer: Cornelia Haß liest Das Vorleseteam, v. l.: Thomas Hesse, Ulrike Schweiger-Lewin, Cornelia Haß, Dr. Rainer Neu, Beate SchmidtDas Vorleseteam, v. l.: Thomas Hesse, Ulrike Schweiger-Lewin, Cornelia Haß, Dr. Rainer Neu, Beate Schmidt

Nachdem die Liedverse "Bleib bei mir Herr! Der Abend bricht herein. Es kommt die Nacht, die Finsternis fällt ein..." verklungen waren, ging es los mit dem finsteren ersten Teil, in dem Erzählungen zum Thema "Selbstjustiz" im Mittelpunkt standen. "Neid" bestimmte den zweiten Teil, während der dritte unter dem vielversprechenden Titel "Kopflos" stand.

Thomas Hesse, Redaktionsleiter bei der RP in Wesel und bekannt für seine Kriminalromane, las aus einem zeitgenössischen Thriller und seinem neuesten Werk "Eulenblues" vor. Ob das Opfer, dem das Wasser schon bis zum Hals stand, in letzter Minute noch gerettet werden konnte, wurde nicht verraten. Die Presbyterinnen Cornelia Haß, Beate Schmidt und Ulrike Schweiger-Lewin sorgten ebenfalls für Nervenkitzel beim Vorlesen.

Andrang bei Häppchen und Wein in der PauseAndrang bei Häppchen und Wein in der Pause Dr. Rainer Neu macht den Überfall auf Josef lebendigDr. Rainer Neu macht den Überfall auf Josef lebendig

Dr. Rainer Neu las eindringliche Abschnitte aus Thomas Manns "Josef und seine Brüder", die unter die Haut gingen. Da war es gut, dass auch humorvolle Lektüre dabei war, so dass die Besucherinnen und Besucher nach dem Stück "Verrückt in Alabama" mit einem Schmunzeln nach Hause gehen konnten.

Henry Robe faszinierte mit seiner GitarreHenry Robe faszinierte mit seiner Gitarre Wunderbare Flötentöne: Petra KeßlerWunderbare Flötentöne: Petra Keßler

Wunderbar musikalisch umrahmt wurden die Lesebeiträge von der Organistin Elena Lebedeva , dem Gitarristen Henry  Robe und der Flötistin  Petra Keßler. Die Musik bot die Möglichkeit zur Atempause zwischen den spannenden Beiträgen. Die Männerkochgruppen der Gnadenkirche hatten leckere Häppchen vorbereitet, die in den beiden Pausen reißenden Absatz fanden. Hier tauschte man sich rege aus.

Der Vers "und erlöse uns von dem Bösen" im abschließend gesprochenen Vater Unser hatte an diesem Abend eine ganz besondere Bedeutung. Mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" und dem Segen endete der Gottesdienst.

Da dies ein wirklich gelungener Abend war, bleibt er vielleicht kein Einzelfall...