An den Weseler Stadtrat vom höchsten Protestanten

Philipp Melanchthons (1497-1560) Brief ist ein besonderer Schatz aus dem Weseler Kirchenarchiv

Er gilt nach Martin Luther als bedeutendster Protestant der Reformationszeit und wurde als „Lehrer Deutschlands“ (Praeceptor Germaniae) verehrt. Der  Humanist Philipp Melanchthon (1497–1560) war als Professor in Wittenberg Kollege Martin Luthers und wurde dessen wichtigster und engster Mitarbeiter bei der Einführung der Reformation. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität verfasste er zahlreiche Lehrbücher, Kommentare zu antiken Schriften und biblischen Büchern, naturwissenschaftliche, historische und theologische Werke und auch zahllose Briefe.

Einer davon ist auch im kleinen Archiv unserer Kirchengemeinde und wurde am 31.Januar 1559 an den Rat der Stadt Wesel geschrieben – also vor stolzen 455 Jahren! Der Inhalt ist nicht spektakulär, aber typisch für den Geist in dieser Zeit. Melanchthon bittet den Rat, sich beim Herzog Wilhelm von Kleve-Jülich- für ein Schreibverbot eines Gegners der Reformation  (Matthias Bredenbach) einzusetzen. Melanchthon hatte schon ein Jahr zuvor in Worms Konrad Heresbach gebeten, beim Herzog deswegen vorstellig zu werden. Nun soll also der Weseler Stadtrat den Herzog noch einmal daran erinnern. Melanchthon lobt zudem die Weseler Bernhard von Schoel und Elisaeus [Bomelius], da sie in Wittenberg ganz ordentlich studieren. Schließlich bedankt er sich für ein Geschenk.

Wenn man bedenkt, wieviel durch Krieg und schlechter Lagerung  in diesen Zeiträumen an Schriftgut zerstört wurde, ist es schon sehr erstaunlich, dass wir diesen Brief immer noch in gutem Zustand vorfinden und lesen können. Hier präsentiert ihn Archivar Uwe Theiss der Kamera.

 

(Die Informationen zum Inhalt dieses Briefes stammen aus der Forschungsstelle der Uni Heidelberg zum Briefwechsel von Philipp Melanchthon)