
Die Eule - das Logo des NachteulengottesdienstesIst das überhaupt ein „richtiger“ Gottesdienst: Sketche am Altar, Schlagzeug-Einlagen und „Phantom der Oper“, Kino und Tango, Klagemauer und Mandalas und zum guten Schluss noch Wein und Käse - und womöglich Pralinen? Das Nachteulen-Team und zahlreiche Besucher sind überzeugt: Ja, das ist ein Gottesdienst! Einer für Kopf und Bauch, für Gläubige und Zweifler, für alle, die auf dem Weg sind, nach Antworten und Orientierung in unserer komplizierter gewordenen Welt zu suchen. Die Nachteulen stellen sich schwierigen Fragen, ohne einfache Antworten zu geben. Sie erleben die Verschiedenheit der beteiligten Menschen und ihrer Meinungen als große Bereicherung auf der Suche nach neuen Möglichkeiten christlichen Glauben zu leben.
Die Nachteulen-Gottesdienste entstanden vor 10 Jahren in Süddeutschland und präsentieren ihre jeweiligen Themen zeitgemäß und in großer Vielfalt: aktuelle - auch populäre - Musik, Theaterszenen, Gedichte, Meditationen, Filmausschnitte, Gebet, Tanz, kreatives Gestalten wechseln sich ab. So werden Spiritualität, Intellekt und Sinnlichkeit verbunden. Zum Ablauf gehören neben dem "Öffner" eine Rede vom „Leben und Glauben“ und verschiedene "Reaktionsrituale“, bei denen die Besucher mitwirken können - wenn sie möchten. Nach dem Gottesdienst folgt stets ein zwangloser Ausklang mit Essen und Trinken, der die Möglichkeit zum Kennenlernen und zum Austausch bietet.
Termin des nächsten Nachteulen-Gottesdienstes:
2013 wird ein Nachteulengottesdienst im Sommer stattfinden. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Sie werden rechtzeitig über den Gemeindebrief, das Internet und die Zeitungen informiert.
Gute Laune beim Ballonaussuchen
Bettina Kahle beim FlötenspielDer 7. Nachteulengottesdienst fand im April 2008 im Lutherhaus statt. Diesmal hatte das Nachteulenteam die Sängerin und Flötistin Bettina Kahl eingeladen, die teils mit Gesang, teils mit anspruchsvollem Flötenspiel die Besucher begeisterte. Ist Frommsein altmodisch und überholt? So schien es jedenfalls nach Äußerungen in einer Umfrage zu sein, die zu Beginn vorgelesen wurden. Die Nachteulen-Besucher hatten Gelegenheit, sich über die Frage, ob Frommsein out ist, auszutauschen - und sie taten es lebhaft und engagiert.Danach gab es ein nostalgisches Wiedersehen mit Don Camillo und Peppone.
In der Rede vom Leben und Glauben wurden drei Symbole entstaubt, die sich als durchaus zeitgemäß entpuppten: "Betende Hände" mögen überholt sein, das Beten aber nicht. Die beim Entrümpeln gefundene Bibel hat auch für heutige Zeitgenossen eine Menge zu bieten. Das große Lebkuchenherz stand letztlich nicht für den Kommerz, sondern für die Liebe: die zu Gott und zu den Menschen, denn beides ist nicht zu trennen.Solchermaßen eingestimmt, konnten wiederum die Besucher in Aktion treten und sich aus vielen Luftballons mit frommen Sprüchen den aussuchen, der ihnen gefiel - oder einen eigenen Satz schreiben. Selbstverständlich klang auch dieser Gottesdienst mit dem Nachtcafé aus.
Der bisher letzte Nachteulen-Gottesdienst fand im Oktober 2007 in der Friedenskirche statt. Der einleitende Sketch - dargeboten von Mitarbeitern der Jugendarbeit unter der Leitung von Jugendleiter Klaus Bauer - zeigte sehr anschaulich Auf- und Ausbruchsversuche: Am Reiseschalter wollte die des Alltagstrotts überdrüssige junge Frau "nur noch weg, sonst geh ich hier kaputt..." , eine andere hielt es in einer unerträglichen Mobbing-Situation im Büro nicht mehr aus.Ein Meer von Kerzen auf dem Altar der Friedenskirche
Viele träumen von Veränderung - und fürchten sie zugleich. Viele sind zwischen Zögern und Aufbrechen wie gelähmt. Gemeinsam gingen die Besucher der Frage nach, wie Hindernisse auf dem Weg zu Veränderungen ausgeräumt werden können und wie Menschen vertrauensvoll ihren Weg gehen können. Schritt für Schritt fingen sie an, sich auf den Weg zu machen - und wandten sich am Ende auch den anderen zu, indem sie sich gegenseitig einen Psalm vorlasen. In diesem Gottesdienst waren eine Journalistin und ein Fotograf des Magazins "Chrismon" zu Gast. In ihrem Artikel (12.2007) heißt es: "Ein Gottesdienst wie eine Revue - bunt, unterhaltsam und besinnlich zugleich. Das hatte ich nicht erwartet." Das Nachteulen-Team freut sich, wenn sich demnächst noch mehr Besucher positiv überraschen lassen.
Im Mai 2007 fand der Nachteulengottesdienst zum ersten Mal nicht in einer der Weseler Kirchen, sondern im schön restaurierten Saal des Lutherhauses statt. Anknüpfend an das Lied von Herbert Grönemeyer "Ein Stück vom Himmel" stand im Mittelpunkt die Schöpfung in ihrer Kostbarkeit und Verletzbarkeit. Der Gottesdienst wollte Impulse geben und motivieren: Die Schöpfung ist so wunderbar, dass jede(r) persönliche Verantwortung übernehmen muss, um sie zu erhalten."Sicht von der Empore des Lutherhauses auf das mit verschiedensten Materialien geschmückte Kreuz
Die Gottesdienstbesucher verzierten ein Kreuz mit Materialien, die sowohl der Natur als auch dem technischen Umfeld entnommen waren: Mit seinen technischen Möglichkeiten muss sich der Mensch für die Umwelt engagieren und mit ihr in einer Einheit leben. Interessant war die Unterlegung einiger Strophen des Liedes "Geh aus, mein Herz und suche Freud" mit einem aktuellen Text. Als Gäste wirkten die Mitglieder des Frühlingsquintetts mit, die zur Freude der Besucher auch im Anschluss an den Gottesdienst weitere Lieder im Stile der Comedian harmonists sangen.
Kaum zu erkennen unter der weißen Maske: Ute Ortmann
Anfang März 2007 fand der vierte Nachteulen-Gottesdienst statt. Viele Interessierte kamen in die Kirche am Lauerhaas - manche schon zum wiederholten, einige auch zum ersten Mal.
Die Tänzerin und Tanzpädagogin Ute Ortmann interpretierte in zwei Darbietungen erst das Gefangensein des Menschen in einem von Zeitdruck bestimmten Leben und dann die Erlösung aus der Zeitfalle durch die Hinwendung zum Anderen.
"Arm ab aber nicht arm dran": Pfarrer Rainer Schmidt"Hauptsache gesund."
Der wunderbar illuminierte Willibrordi-DomBei diesem Gottesdienst im Oktober 2006 bot der durch Lichtinstallationen effektvoll in Szene gesetzte Dom eine beeindruckende Kulisse. „Hauptsache gesund.“ - Und was, wenn nicht?
Der Klage der plötzlich ans Bett gefesselten Hilde „Ich bin doch zu nichts mehr nütze - ist doch kein Leben so“, setzte Pfarrer Rainer Schmidt in seiner Ansprache eine überzeugte Feststellung entgegen: „Auch mit Grenzen können wir ein erfülltes Leben führen!“ Er weiß, wovon er spricht: Seit seiner Geburt hat er zu kurze Arme und ein zu kurzes Bein. Diese Behinderung ließ ihn weder zum „Dribbelkönig“ noch zum begnadeten Klavierspieler werden - auch wenn es Zeiten gab, als er es sich gewünscht hätte. Die Vergleiche mit anderen, die Orientierung an (scheinbar) Gesunden führen nur zur Verbitterung. Jeder ist noch zu etwas nütze, man muss nur die eigenen (verbleibenden) Möglichkeiten wahrnehmen. So wurde Rainer Schmidt Hochleistungssportler im Tischtennis und brachte es bei den Paralympics bis zur Goldmedaille.
Im Folgenden konnten die Gottesdienstbesucher sich unter verschiedenen Angeboten eines aussuchen: So konnten sie an einer "Klagemauer" ihre Sorgen und Wünsche auf Zettel aufschreiben oder eine individuelle Salbung als Stärkung an Körper, Geist und Seele erfahren.{126_n_gesund_klagemauer-web.jpg}
Süße Versuchung: Sekt und Schokolade"Lust auf Leben!"Der zweite Nachteulen-Gottesdienst fand am 14. Mai 2006 in der Kirche am Lauerhaas statt. Dort drehte sich alles um die Frage: "Ist Genuss Sünde?"
Nachdem ein mitreißender Tango den Auftakt bildete, sahen die Gottesdienstbesucher einen kurzen Filmausschnitt aus „Chocolat“: Darin predigt der junge Pfarrer auf Geheiß des sittenstrengen Bürgermeisters: „Der Teufel nimmt vielerlei Gestalt an... Manchmal ist er derjenige, der Süßigkeiten anbietet. Nur Kleinigkeiten, denn was könnte harmloser und unschuldiger wirken als Schokolade?“
Aber auch die eingeschüchterten Menschen aus dem französischen Dorf der 50er-Jahre erkennen schließlich, was Oma Hilde schon lange weiß...
Stimmungsvolle Atmosphäre mit Kerzen und Masken in der Friedenskirche"Viele Masken - ein Gesicht"Der erste Weseler Nachteulen-Gottesdienst wurde am 19. Februar 2006 in der Friedenskirche gefeiert. EinTeam unter Leitung von Pfarrerin Holthuis hatte das Thema "Viele Masken - ein Gesicht" vorbereitet. Eingestimmt durch das Anspiel "Besuch beim Maskenhändler", das einige Jugendliche aufführten, hörten die Gottesdienstbesucher einen Text von Bonhoeffer "Wer bin ich?" und sahen einen Filmausschnitt aus "Der Mann mit der eisernen Maske". Kirche und Altar waren mit zahlreichen Masken dekoriert. In ihrer Ansprache wies Prädikantin i. A. Kerstin Schwefing darauf hin, dass vor Gott alle Masken fallen können. Das tat das Vorbereitungsteam dann am Ende auch symbolisch. Gut 150 Besucherinnen und Besucher waren gekommen, von denen viele zum anschließenden Austausch in lockerer Runde dablieben. Mit optimaler Vorbereitung und großem Engagement sorgte Rolf Feldmann für das reibungslose Funktionieren der Technik, ohne die dieser Gottesdienst der besonderen Art nicht denkbar wäre. Das Vorbereitungsteam sagt "Dankeschön!".
Wichtiger Mitstreiter: Rolf Feldmann - der Mann am Mischpult |
Die Friedenskirche war sehr gut besucht |