
"Soviel du brauchst!" (2. Mose 16,18)

Vom 1. bis 5. Mai findet in Hamburg der 34. Evangelische Kirchentag statt. „Soviel du brauchst“ lautet seine Losung. Sie stammt aus einer Geschichte im 2. Buch Mose. Mose führt das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste. Die Wanderung wird mühsamer. Die Israeliten haben Hunger und Durst, sie klagen und murren.
Da verspricht Gott ihnen: Am Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden. Jeder wird bekommen, soviel er braucht.
Soviel du brauchst! – mitten in der Wüste!? Genau so geschieht es.
„Soviel du brauchst“ – was bedeutet das in unserer Welt, in der über eine Milliarde Menschen Hunger leiden, in einem reichen Land wie unserem, in dem bei Weitem nicht alle Menschen satt werden? Weltweit werden Lebensmittel für zwölf Milliarden Menschen produziert, während wir mit sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde leben. Es ist also da, „soviel du brauchst“. Gott sagt: Soviel du brauchst, wirst du bekommen. Er sagt jedoch nicht: Nimm, soviel du willst. Oder: Nimm, was du kriegen kannst. Im Zuspruch Gottes wird zugleich auch sein Anspruch deutlich: Ich sorge für dich, aber sieh zu, nur das zu nehmen, was du wirklich brauchst! An Gott liegt es nicht, dass Menschen hungern. Wir Menschen scheitern daran, vernünftig zu verteilen.
Der Kirchentag wird uns bewusst machen, wie reich wir in allen Dingen sind. Aber er wird auch kritische Fragen stellen: wie wir in religiöser Vielfalt mit-einander und nicht gegeneinander leben können, wie wir unseren Maßstäben von Toleranz, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit gerecht werden, wie wir die Maßstäbe unseres Wirtschaftens verändern müssen.
Vor allem wird der Kirchentag sich an Gottes Gaben freuen: wir dürfen das Leben genießen, einander begegnen, Neues kennenlernen, fröhlich feiern und die gute Nachricht des Glaubens ausbreiten: ich kann Gottes Gaben empfangen und davon abgeben, damit es gerechter verteilt wird, damit alle Menschen die Güte Gottes erleben können.
Mit plattdeutschen Worten gesagt:
Gott gifft di allens, wat du bruukst, nich to wenig un ok nich to veel.
Man allens, wat du bruukst, un dat langt heel un deel.
All tosamen leven, jeedeen Dag nee. Annern ok wat geven, wiel‘t för all tosamen reckt.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Pfarrerin Sarah Brandt