
Liebe Gemeinde,
ich war vor kurzem in einem Rahmengeschäft, um ein geerbtes Bild rahmen zu lassen. Moderne Rahmen waren im Angebot, ebenso alte Holzrahmen mit reicher Verzierung. Aber wer von uns würde sich einen leeren Rahmen an die Wand hängen, auch wenn er noch so schön und wertvoll wäre? Es kommt doch auf das Bild an, oder?
Auch das Weihnachtsfest hat seinen Rahmen: Der schön geschmückte Weihnachtsbaum, Geschenke, Kerzen, Adventsmärkte, Glühwein, die Beleuchtung der Häuser, die oft atemlose Vorbereitung,. Das ist der Rahmen. Aber wer nur den Rahmen betrachtet, der verliert das Wesentliche aus dem Blick. Was aber ist das Eigentliche von Weihnachten, das in den Rahmen gehört? Ich stelle mir ein Gemälde mit drei zentralen Motiven vor! Zuerst die Sonne: Eine Wende ist mit der Geburt des Kindes Jesus eingetreten. Eine Sonnenwende, die die winterliche Kälte in unseren Herzen und in unserer Gesellschaft vertreiben will. In allen Sorgen um die zerbrechliche Welt mit Fukushima und dem Hunger in Ostafrika, mit dem Jonglieren von Milliarden und den ganz persönlichen Herausforderungen lautet die Weihnachtsbotschaft: „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.“ Diese Gnade ist wie die Sonne, die Sorgenpanzer schmelzen und Tränen trocknen kann, die manches Unheil zu heilen vermag und immer da ist. Als zweites Motiv sehe ich auf dem Weihnachts-Bild ein Herz: Gott hätte mit Herrscher-Macht auftreten können, um den Mächtigen ihre Ohnmacht zu zeigen. Aber er zeigt seine Gnade, sein ganzes Herz für uns im Kind von Bethlehem, das als Erwachsener soviel tiefer blickt als andere. Der gnädige Blick des Herzens, der annimmt und heilt! Bei Gott zählt nicht das Äußere, der Rahmen, sondern das Innere, das Herz. Als drittes und letztes Motiv würde ich in das Weihnachtsbild eine Krippe malen. Der Retter der Welt wird in einer Notunterkunft geboren. So nahe kommt Gott uns, steht bis heute besonders auf der Seite der Armen! Seit Weihnachten steckt Gott sozusagen in unserer Haut. „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.“
Weihnachten ist das Ereignis, an dem Gott selbst einen neuen Rahmen für das Leben geschaffen hat. Im Kind von Bethlehem kommt er zu uns. In einer Welt, die so sehr von fragwürdigen Interessen regiert wird, soll die Liebe regieren! In einer orientierungslosen Zeit will Christus das Licht der Welt sein, das den Weg zu einem guten Ziel weist. Wir dürfen in seiner Liebe erstrahlen und seine Liebe weitergeben, so als ob seine Liebessonne aus unserem Herzen herausstrahlt, und wir dürfen gnädig sein, weil Gott sich an Weihnachten uns zugewendet hat. Das ist das Bild von Weihnachten, das in den Rahmen des frohen Festes hineingehört, damit nicht alles nur äußerlich bleibt zwischen Kommerz und Glühweinständen. Das Bild von Weihnachten. Wir können es ansehen, wir können den Kopf darüber schütteln, wir können daran vorbeigehen. Wir können es aber auch aufnehmen – in diesem Jahr wieder.
Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Martina Biebersdorf